Ermittlungen gegen Block-Anwalt Ingo Bott wegen möglichem Titelmissbrauchs
Gegen den Hamburger Strafverteidiger Ingo Bott ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg wegen des Verdachts auf Missbrauch akademischer Titel. Hintergrund ist die Art und Weise, wie Bott auf der Internetseite seiner Kanzlei akademische Grade und Ehrentitel geführt haben soll. Zuerst hatte das Rechtsportal Legal Tribune Online (LTO) über den Vorgang berichtet.
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Nach Angaben der Staatsanwaltschaft bestehen konkrete Anhaltspunkte dafür, dass Bott bis zum 19. August 2025 auf seiner Website als „Prof. Dr. Dr. Ingo Bott“ bezeichnet wurde. Tatsächlich verfügt Bott über einen regulären Doktortitel, den er an der Universität Passau erworben hat. Ein Professorentitel sowie ein weiterer Doktorgrad wurden ihm jedoch ausschließlich ehrenhalber von zwei Universitäten in Peru verliehen.
Erst bei genauerem Hinsehen – durch Anklicken seines Namens – sei auf der Website eine genauere Bezeichnung erschienen: „Prof. h.c. Dr. Dr. h.c. Ingo Bott“, ergänzt um Hinweise auf die verleihenden Hochschulen in Peru. Aus Sicht der Ermittler könnte die prominente Kurzform auf der Startseite dennoch den Eindruck eines regulären Professoren- und Doktortitels erweckt haben. Geprüft wird deshalb ein möglicher Verstoß gegen § 132a Strafgesetzbuch, der den Missbrauch von Titeln unter Strafe stellt.
Ausgelöst wurde die Debatte durch Kritik aus der Wissenschaft. Der Passauer Strafrechtsprofessor Holm Putzke hatte öffentlich darauf hingewiesen, dass die Titelführung in dieser Form nicht korrekt sei. Anlass war eine Anfrage der Bild-Zeitung, die die Darstellung auf Botts Kanzleiseite thematisierte.
Bott selbst reagierte mit einer Stellungnahme auf LinkedIn. Darin zeigte er sich gelassen und sprach von einer „Formfrage“, die sich aus seiner Sicht zeitnah klären werde. Er betonte, die gegen ihn erhobene Kritik stehe in keinem Zusammenhang mit der inhaltlichen Berechtigung seiner Ehrentitel. Diese seien ihm von anerkannten Hochschulen verliehen worden, unter anderem im Rahmen eines internationalen Strafrechtskongresses. Er sei stolz auf diese Auszeichnungen und habe bislang überwiegend positive Rückmeldungen erhalten.
Gleichzeitig kündigte Bott an, seine Website anzupassen. Sein Team sei angewiesen worden, die Darstellung der Titel zu ändern, um weiteren Diskussionen vorzubeugen. Dies bedeute jedoch keine Anerkennung der rechtlichen Auffassung seiner Kritiker, sondern sei eine pragmatische Entscheidung angesichts begrenzter zeitlicher Ressourcen für eine vertiefte rechtliche Prüfung.
Die Ermittlungen laufen unabhängig von Botts prominenter Rolle als Verteidiger der Unternehmerin Christina Block, die derzeit wegen der mutmaßlichen Entführung ihrer Kinder vor Gericht steht. Ob das Verfahren wegen der Titelführung eingestellt oder weiterverfolgt wird, ist derzeit offen.
Quelle: LTO